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Dr.-Ing. Walter Köckeritz 10 Jahre Architekturbüro - ein Werkbericht Das Jahr 1990 hat für uns, die wir uns dem Osten Deutschlands verpflichtet fühlten, auf eine parteigestützte Karriere verzichtet hatten und sehenden Auges miterleben mußten, wie uns die Entwicklung von Architektur und Technik unerreichbar davonlief, alles in Frage gestellt und gleichzeitig in Bewegung gesetzt. Die Neugründung des Berufstandes der Architekten ging einher mit dem Aufbau eigener Büros und dem Engagement in ehren-amtlicher Tätigkeit für Ziele, von denen man jahrzehntelang nur träumen konnte oder von denen wir nicht einmal eine Ahnung hatten. Das Gebot der Typenverwendung, das Verbot der Verwendung nahezu aller soliden Baustoffe und Technologien und die Abkopplung von (west)deutschem Baurecht und internationaler Architekturentwicklung gehörten mit einem Schlage der Vergangenheit an und mußten gewissermaßen ohne Lernphase überwunden werden. Aber das neue Architekt-Sein brachte uns auch zwei ernüchternde Erfahrungen. Zum einen wurde uns bewußt, dass wir neben dem Anfertigen guter Entwürfe gleichzeitig den Geldbeutel unserer Bauherren verwalten mußten. Zum anderen mußten wir aus eben diesem Grunde miterleben, dass mit den Förder- und Investmitteln die ganze europäische Architektenschaft zu uns hereinströmte und wir als Neulinge im eigenem Land unseren Platz im Wettbewerb erst einmal erkämpfen mußten. Der Traum von einer regional fundierten Erneuerung der Architektur versank in einem Potpourri von Allerweltsbauten, in dem wirklich gute Architektur zunächst nicht leicht zu finden war. Wie viele der ansässigen Architekten hatte auch ich zu DDR-Zeiten mein Schaffensfeld in der Nähe der Denkmalpflege angesiedelt. In der Planung von Neubauten war bis auf wenige Sonderbauten das Architektengehirn durch Typen und Standards mehr und mehr überflüssig geworden, aber in der Erhaltung und Ergänzung wertvoller Bausubstanz ergaben sich zwangsläufig Freiräume für schöpferische Arbeit. So fand ich 1974 nach einer Promotion auf dem Gebiete des Wohnungsbaues bei Professor Wiel bezeichnenderweise mit dem Beginn des Wohnungsbauprogrammes keinen geeigneten Arbeitsplatz in einem der zahlreichen Baukombinate, so dass ich mich dem Wiederaufbau der Dresdner Innenstadt verschrieb und die Tätigkeit im damaligen Institut für Kulturbauten aufnahm. Dort begannen gerade die Planungen für die Semperoper; Planungen für das Dresdner Schloß und die Sempergalerie schlossen sich an. Der langjährigen Zusammenarbeit mit Dieter Schölzel und Peter Albert verdanke ich eine Arbeitsweise, die von einer starken inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Bauaufgabe geprägt ist und die nur wenig an die durch Staatsdoktrinen der DDR gesetzten Grenzen gebunden war. In unserem Hause durchgeführte Wettbewerbe wie für die Stadthalle in Erfurt, das sowjetische Kulturzentrum und ein Imax-Kino in Berlin, das Stadttheater in Potsdam, die neue Bastille-Oper in Paris und ein Gastspieltheater für die dritte Welt hoben uns aus dem DDR-Alltag hinaus und erleichterten mir 1990 den Übergang in die Selbständigkeit.
Der langjährigen Zusammenarbeit mit der ehemaligen Investbauleitung Karl-Marx-Stadt, aus der 1990 das Hochbauamt Chemnitz hervorging, verdanke ich die ersten Aufträge im eigenem Büro: das Schloßbergmuseum und die Sanierung des König-Albert-Museums in Chemnitz. Diese Aufgaben bedingten in Kürze den Aufbau eines Büros mittlerer Größe. Neben den Chemnitzer Museen wurden mir zahlreiche kleinere Aufgaben im Raum Dresden übertragen, von denen vor allem die Planungen für Herrn Dieter Heyde und die Sächsische Landesapothekerkammer bedeutungsvoll waren. 1996 wurde uns die Planung und Bauüberwachung der denkmalgeschützten Gartenheimsiedlung in Dresden-Gruna übertragen, was eine weitere Bürovergrößerung zur Folge hatte und welche erst im Jahre 2003 abgeschlossen sein wird. Meine Mitarbeit in der Arbeitsgruppe "Neumarkt" der Gruppe Dresden der Architektenkammer Sachsen führte zu einem Engagement für das städtebauliche hochrangige und leidenschaftlich umstrittene Umfeld der Dresdner Frauenkirche. Neben der Planung und baldigen Ausführung der ersten beiden Bürgerhäuser An der Frauenkirche 16 und 17 kündigen sich weitere Aufträge an. Ein interessantes Arbeitsgebiet ist für uns der Entwurf und der Bau von Einfamilienhäusern. Mit den Häusern für die Familien Dr. Fröhlich, Dr. Athenstaedt und Beyer sind uns interessante Lösungen gelungen, die zwar etwas über den durchschnittlichen Fertighauskosten liegen, aber hinsichtlich der baulichen Antworten auf persönliche Ansprüche und Lebensverhältnisse und das individuelle Reagieren auf Geländeeigenarten und Nachbarbebauung Qualitäten aufweisen, die in Zukunft hoffentlich mehr und mehr gefragt sind.
Dank und Anerkennung gebührt meiner Frau und meinen Mitarbeitern, die zum Gelingen der übertragenen Aufgaben beigetragen haben. Es sind dies:
Mein Dank gilt weiterhin Herrn Bernhard Einert und Herrn Günter Kaser sowie zahlreichen Praktikanten, die unsere Arbeit mit viel Engagement unterstützt haben. Neben unseren festen Aufträgen haben wir uns ständig an Wettbewerben beteiligt und hier eine Reihe beachtlicher Erfolge erzielt. Wenn daraus auch noch keine Aufgaben erwachsen sind, konnten wir doch mit einer Reihe von Beiträgen Lösungswege für interessante und komplizierte Aufgaben aufzeigen, unsere Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis stellen und unseren eigenen Stil entwickeln. Erfolge wie der Ankauf für den städtebaulichen Ideenwettbewerb Postplatz, die dritten Preise in den Wettbewerben Deutsches Hygienemuseum (1992) und Dresdner Bank (1994), der 1. Preis für das Wohnstift Augustinum im ehemaligen Lahmann-Sanatorium Dresden-Weißer Hirsch (1998) und der 2. Preis für den Neubau der katholischen Pfarrkirche in Radebeul haben uns einen Platz unter den namhaften Dresdner Architekturbüros gesichert. Die Arbeitsweise in meinem Büro ist durch Vielseitigkeit und Offenheit geprägt. Verantwortung, Initiative und Schöpfergeist werden je nach Fähigkeit und Neigung auf möglichst alle Mitarbeiter delegiert. Vertrauen und Teamgeist rangieren vor Kontrolle und Hierarchie; die erzielten Ergebnisse haben unseren Arbeitsstil bestätigt. Bei großen Aufgaben werden die einzelnen Leistungsphasen von unterschiedlichen Mitarbeitern erbracht; bei kleineren Aufgaben sollen möglichst viele Phasen in einer Hand liegen. Der relativ hohe Anteil an Rekonstruktion und Sanierung hat bewirkt, dass sich zur Zeit die reine Entwurfstätigkeit auf wenige Mitarbeiter und meine Person beschränkt, während die Mehrzahl der Mitarbeiter in Ausführungsplanung, Vergabe und Bauüberwachung tätig sind. Dieses Verhältnis ist jedoch jederzeit veränderbar, sobald die Wettbewerbs- oder Auftragssituation dies erfordert.
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